SWITZERLAND

METALFACTORY

RON PHILIPPS BLACK ANGELS - Steamroller (CD/LP)
Eigenvertrieb
Na, das ist ja ein Ding! Im gleichen Monat bringen gleich zwei Schweizer Rock Urgesteine jeweils eine neue Scheibe heraus! Dass es sich hierbei um die Black Angels und Killer handelt, hätte sich so lange Zeit niemand voraus zu sagen getraut! Und doch ist es Tatsache geworden, im Juni 2019. Die Black Angels brachten, wie Killer damals schon, ebenso im Jahre 1981 ihr Debüt «Hell Machine» heraus. Der kompositorische Höhepunkt wurde indes 1984 mit der zweiten Scheibe «Kickdown» erzielt. Diese für damalige Zeiten top produzierten Songs hatte ich eine Zeit lang oft am Ohr, da diese LP über meine persönliche Wunschliste eines heiligen Abends unter dem Weihnachtsbaum lag. 1983 als Support von Whitesnake in Basel und ein Jahr später im luzernischen Emmen gereichte es mir immerhin mal zu zwei Konzerten, die erst 2012 (in der Galery in Pratteln) eine Fortsetzung fanden. Mit dem Vinyl-Boom der letzten Jahre wurde auch meine Plattensammlung wieder vermehrt frequentiert, und so gelangte die überaus töfte 85er-LP «Broken Spell» wieder in meine Hände und über das Abspielen erneut in mein Bewusstsein zurück. Dabei entdeckte ich meinen Lieblingssong «Moving On» wieder neu. Heute wie damals gab es eine zentrale Person in der Band aus dem Raum Schaffhausen, und das ist natürlich Frontmann Ron Philipps, dessen markante Gesangsstimme, zumindest in der Schweiz, sofort erkannt wird. Stilistisch gehen die Black Angels, die offiziell "Ron Philipps Black Angels" genannt werden, aktuell ein Zacken härter ans Werk als früher. Was einst, bedingt durch die Keyboard-Sounds von Harry Stone alias Pater Bruno, mehr in die Richtung der weissen Schlange ging, kann nun getrost als "Heavy Rock bezeichnet werden.

Der Opener und Titeltrack lässt dabei umgehend erkennen, dass die Stimmbänder von Ron nach wie vor absolut top sind und immer noch gleich gut wie vor weit über drei Dekaden klingen. «Spread Your Wings» hört sich dann entsprechend genauso an, was man musikalisch in den 80er kredenzt bekam. Getragen von einer überaus knackigen Produktion lebt nun nach Killer auch der Black Angels Sound wieder auf! Das ist einfach nur geil und auch «Steamroller» lebt von unterschiedlichen Stimmungen. «I.Never.Com» überrascht derweil als Halballade mit einem orchestral anklingenden Arrangement, was früher so nicht vorzufinden war. Mit einem leichten Schmunzeln quittiere ich die Anlehnung an die Scorpions bei «Set Me Free», wo beim Hauptgitarren-Riff «Rock You Like A Hurricane» durchschimmert. Dass «Sound Of Thunder» danach, respektive zu Beginn, voll einen auf W.A.S.P./Saxon macht, wird umgehend von einem typischen Black Angels Heavy Rock Riff abgelöst. Armored Saint fallen mir zu «Into The Dark» ein , wo es mit polternder Double Bass-Drum ordentlich wie metallisch im Küchenkasten zu scheppern beginnt. Der erhoffte Album-Favorit erklingt schliesslich mit dem groovigsimplen, aber sehr effektiven «When The Night», wo ich mich mit einem kurzen Backflash gleich wieder bei «Moving On» einfinde. Das sind dann auch die Momente, wo es zu 100% nach den "alten Black Angels" klingt. Überhaupt finde ich, dass die metallischen Ausflüge eher etwas Toleranz erfordern, wie das eher schräge «Batman Reloaded». Die elf regulären Songs, die so prima auf eine einzelne LP passen (folgt im Juli 2019), bewegen sich unter dem Strich auf spürbar härteren Pfaden, was zumindest für meine Lauscher etwas Nachsicht erfordert.
Rockslave
Punkte: 8.2 von 10

 

MEDAZZAROCK

BLACK ANGELS
„1981 – 2009 (Box)“ / 63 Tracks
KATHARGO RECORDS/TWILIGHT
www.black-angels-rock.com
Den Namen Black Angels hab ich zum ersten Mal in einer Schweizer TV-Show gesehen, als davon gesprochen wurde, dass Keyboarder Harry Stone ins Kloster gegangen sei. Was für ein Wandel - von einer Hardrock-Gruppe in den Orden.

Na ja, fangen wir mal an mit der 4 Disc umfassenden Box. Das erste Album war „Hellmachine“ (1981), das hier mit „Black & White“ (1985) zusammengefasst wurde. Beim Debüt war noch der Engländer Clive Murray als Shouter tätig. Wurde aber bei den späteren Outputs von Ron Phillips abgelöst, der bei allen anderen CDs singt. Auf „Hellmachine“ hat es klassische Rockstücke, die alle in Richtung Krokus gehen, nur fehlt es denen etwas an Härte. Am besten gefällt mir dort noch der groovige Opener „Hellmachine“, „Over The Limit“ und „Juvenile Delinguent“.

Weiter geht es nun mit dem Album „Black & White“. Da merkt man den Wandel sofort. Dort fällt vielleicht sofort auf, dass die Stimme von Ron Phillips viel aggressiver klingt, aber auch der neue Drummer Tommy Stuart macht seine Sache gut. Am besten munden mir dabei die Rocker „Running With The Wind“, „Bad Strike“ und der Schlusstrack „Rock Tonight“.

Weiter geht es mit dem für mich besten Album „Kickdown“(1983). Eines der Highlights dabei ist „Over Now“ mit tollen Solos und schönem Refrain oder das geil groovende „Heartbeat“. Aber auch „Rough And Ready“ und „Bite The Dog“ rocken ordentlich ab. Auf der Remasterten CD hat es noch 4 Bonustracks und ein 11 minütiges Video (von Zürich 1982 und London 1984). 1985 gab es zwei Änderungen im Line-Up. So wurde Bassist Walt Lion durch den Gastmusiker Andy Margaritas ersetzt und auch auf Gitarrist Mark Egg wurde verzichtet.

Die CD „Broken Spell“ macht genau dort weiter wo „Kickdown“ aufgehört hat, mit echt starken Rockern. „Gonna Run“, „Flying High“, „Soldier Of Evil“, „Rough Cut“ und „Out For A Sin“ sind meine rockigen Highlights auf der Scheibe. Bei dem Re-Release hat es noch 7 Bonustracks gegeben.

Als letztes folgt noch die „Changes (The Last Decade)“, die 2009 produziert wurde und läuft unter dem Namen Ron Phillips Black Angels da nur noch er vom damaligen Line-Up dabei ist. Also mit „Shine On“ fängt die verdammt stark an, ein wirklich klasse Rocker. Nachdem etwas ruhigeren „Walking Away“ fetzen „Changes“ und „The Evil“ dann wieder recht ab. Danach wird es aber ziemlich lasch mit „Right On Down The Road“, „Lovelights Shining“, „Water To The Well“ und „Song Of Glory“. Erst die neue Version von „Rock The City“ weckt einen wieder, das Original war auf der „Kickdown“ drauf. Danach werden die Stücke auch wieder etwas rockiger auch, wenn sie nicht mehr so stark sind wie die am Anfang. Dieses Album ist mit dem Debüt „Hell Machine“ und „Black And White“ nun nicht mehr so mein Fall. Dagegen sind „Kickdown“ und „Broken Spell“ echt klasse. Leider ist auch auf jeder CD das gleiche Interview drauf. Wären nur „Kickdown“ und „Broken Spell“ zum bewerten gewesen, wären es mehr als die 7 Punkte geworden. (Patrick)

Patrick
http://www.medazzarock.ch